17 Fakten über das viktorianische England, die dich erstmal ratlos machen werden



H. Finley / Museum of Menstruation / mum.org, Giphy

Die unterste Schicht des Outfits einer jeden Frau bestand aus einem Paar Unterhosen wie die oben abgebildeten. Diese Unterhosen bedeckten jedoch nur beide Beine, den Schambereich hingegen nicht. Dies sollte den Frauen die Benutzung der Toilette erleichtern – auch, weil die Kleider so schwer waren und aus mehreren Schichten bestanden, die sowieso alles versteckt hielten.

tl;dr: viktorianische Vaginen hatten direkten Sichtkontakt zum Fußboden.

2.

Was einer der Gründe ist, weshalb die Menstruation in diesen Zeiten ein blutiger Albtraum war.


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Viele Historiker sind der Meinung, dass – in Ermangelung kommerzieller Damenbinden und weil Frauen so viele Schichten trugen – die meisten Frauen nichts taten und hemmungslos in ihre Unterwäsche bluteten. Andere “Lösungen” beinhalteten die Verwendung einer Babywindel, die von einem Gürtel gehalten wird oder Schafswolle wurde mithilfe von Schmalz in die Vulva gesteckt. Puh.

3.

Ach ja, Frauen waren auch überaus behaart, überall.


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Dinge wie Damenrasierer existierten nicht und obwohl es Enthaarungscremes gab, waren sie hochgiftig und nur für den Gebrauch im Gesicht, an Händen und Armen bestimmt. Und so waren Achselhöhlen, Beine und Genitalien reichlich behaart … und unter mehreren Stoffschichten versteckt, so dass es eigentlich keine Rolle gespielt hat.

4.

Die Themse war voll von Jauche und toten Tieren, sodass man den Fluss fast zu Fuß überqueren konnte.


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Bis zum Jahr 1860 wurden täglich tausende Tonnen an Fäkalien in die Themse gekippt, da es keine Kanalisation gab. Ach ja, nebenbei war es auch die Haupttrinkwasserquelle der Stadt. Menschen starben zu Tausenden an Ruhr, Cholera und Typhus. Aber sie glaubten, das die verpestete Luft sie krank macht. Nö.

5.

Auch die Straßen waren einfach ekelerregend.


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Eine Lady Harberton berichtete 1891, dass ihr langes Kleid zwei Zigarrenstummel, neun Zigaretten, eine Schweinefleischpastete, vier Zahnstocher, zwei Haarnadeln, eine Scheibe Katzenfleisch, eine halbe Stiefelsohle, einen Pfropfen Tabak (gekaut), Stroh, Schlamm, Papierfetzen und sonstige Straßenabfälle (Kacke) während eines kurzen Spaziergangs durch London eingesammelt hatte.

6.

In den 1860ern erreichten Kleider eine solche Weite, dass Frauen häufig in Türrahmen stecken blieben.


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In der “Krinolinen-Epoche” (1850-1870) wurden mehrere (immer reichlich verzierte) Röcke über einen großen Holzreifen drapiert, um wirklich massive Outfits zu kreieren. Außer Türen zu versperren, entzünden sich in Krinoline gekleidete Frauen oft beim Vorbeigehen an Kerzen, so dass der Trend nicht allzu lange anhielt. Das Satiremagazin Punch riet Ehemännern, ihre Frauen bei der Feuerversicherung anzumelden.

7.

Kontaminierte und verfälschte Lebensmittel waren weit verbreitet.


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Bevor die Pasteurisierung erfunden wurde, konnte Milch Tuberkulose verbreiten. Auch anderen gekauften Lebensmitteln konnte man nicht wirklich vertrauen, besonders in Großstädten. Skrupellose Händler verkauften verdorbenes Fleisch, das mit dem Fett von frischem Fleisch getarnt war; Bäcker verwendeten Alaun und Kreide, um Brot weißer aussehen zu lassen. Andere Tricks beinhalteten das Hinzufügen von Arsen zu Essiggurken und anderen konservierten Lebensmitteln, um einen würzigeren Geschmack zu bewirken. Und vermutlich auch den Tod.

8.

Königin Victoria ließ ihre Köche täglich einen Topf Curry kochen, obwohl sie es nicht ausstehen konnte.


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Berichten zufolge hasste sie alles, was scharf war, aber als Kaiserin von Indien bestand sie darauf, dass Curry die ganze Zeit verfügbar sein sollte, nur für den Fall, dass ein “orientalischer Besucher” vorbeikam. Allerdings war es nicht sehr köstlich. Das Rezept sah vor, dass Currypulver in letzter Minute den bereits gekochten Zutaten zugesetzt werden sollte, so dass es feurig scharf und puderig war.

9.

Sie genoss jedoch alle anderen Speisen und aß sie in Lichtgeschwindigkeit.


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Victoria war streng erzogen worden und durfte als Kind nicht viel essen. Als sie also Königin wurde, schwor sie sich, die verlorene Zeit aufzuholen. Sie aß auch unglaublich schnell, was ein Problem für ihre Gäste war, da sie mit Essen aufhören mussten, wenn Königin Vic mit einem Gang fertig war, selbst wenn die Gäste erst einen Bissen gegessen hatten. In den 1880er Jahren hatte sie einen BMI von 32, nach heutigen Maßstäben wäre sie demnach fettleibig

10.

Zahnpasta wurde aus Holzkohle und Honig hergestellt.


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In einer Zeitschrift wurde ein Rezept für ein “Zahnputzmittel” vorgestellt, in dem es hieß, dass “Holzkohle und Honig, zu einer Paste geformt, hervorragend zur Reinigung der Zähne geeignet ist.” Holzkohle? Vielleicht. Aber Honig? Nee, das lässt deine Zähne doch nur noch mehr verrotten.

11.

Und Frauen banden sich Fleisch auf das Gesicht.


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Eine Schönheitsratgeberin wies Frauen an, “den Kopf jede Nacht mit dünnen Scheiben rohem Rindfleisch zu bedecken, was für faltenfreie Haut sorgt und dem Teint eine jugendliche Frische verleiht”.

12.

“Der hundegesichtige Junge” war in den 1870er Jahren eine der beliebtesten Attraktionen in London und Liverpool.


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Er war ein Russe namens Fedor. Er und sein Vater Andrian wurden als “zwei der größten menschlichen Kuriositäten der Gegenwart” beschrieben. Ihre Gesichter waren vollständig behaart, sodass sie wie Skye Terrier aussahen. Andrian starb an den Folgen von Alkoholismus, Fedor allerdings begeisterte mit seinen “Auftritten” auch noch Jahre danach.

13.

Jungen trugen Kleider, bis sie das Schulalter erreichten.


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Wohlhabendere Familien zogen ihren Kleinkindern unabhängig vom Geschlecht vorwiegend weiße, mit Rüschen besetzte Kleider an (je reicher die Familie, desto mehr Spitzen und Rüschen besaß das Kleid), und sowohl Jungen als auch Mädchen trugen die gleichen Häubchen. Erscheint durchaus sinnvoll.

14.

Fast 50 Prozent der Kinder starben bevor sie das fünfte Lebensjahr erreichten.


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Die höchsten Sterblichkeitsraten gab es in den Slums, besonders im berüchtigten Londoner Viertel Seven Dials, und Angel Meadow, ein Slum in Manchester, der so schrecklich war, dass er den Spitznamen “Hölle auf Erden” trug. Über 30.000 Arbeiter, meist irische Immigranten, waren auf 2,5 Quadratkilometern zusammengepfercht. Viele Kinder von Angel Meadow mussten für sich selbst sorgen und ernährten sich von Essensabfällen, einige aßen sogar streunende Katzen.

15.

Trauernde Familien gaben Porträts von Kinderleichen in Auftrag, wobei die leblosen Körper oftmals so präsentiert wurden, als ob sie noch am Leben wären.


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Reiche Leute beauftragten für die Aufnahme einen Fotografen, aber ärmere Leute waren oft auf Zeichner angewiesen. Ein gutherziger Künstler namens John Callcott Horsley besuchte oft kostenlos Leichenhallen, um Bilder von kürzlich verstorbenen Kindern zu zeichnen. Dieses postmortale Bild war oft das einzige Abbild des Kindes, das die Familie jemals hatte.

16.

Wohlhabende Leute verspeisten aus irgendwelchen Gründen frittierte Kalbsohren.


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In der gefräßigen, aber seltsam sparsamen viktorianischen Ära, wurde nichts verschwendet. Ganze Kälberköpfe wurden zum Abendessen gekocht, und ihre kleinen Gehirne wurden als Beilage zubereitet: rosa Klumpen, schwimmend in Buttersoße. Die Ohren der Kälber wurden rasiert, gekocht und dann gebraten. Es muss sich so angefühlt haben, als wäre man bei Hannibal Lecter zum Essen eingeladen.

17.

Und Darwin konnte es nicht lassen, seltsame Tiere zu verputzen.


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Charles Darwin hat nicht nur seltene Tiere studiert, sondern diese auch gerne verzehrt. Er schloss sich einer Cambridge-Gesellschaft namens “Glutton Club” an, und er und seine Freunde aßen sonderbare Gerichte wie Falken, Eichhörnchen, Maden und Eulen. Auf seiner Entdeckungsreise an Bord der Beagle, verspeiste er Leguane, Riesenschildkröten, Gürteltiere und einen Puma.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch.

RICHTIGSTELLUNG

In einer älteren Version dieses Posts hieß es fälschlicherweise, Ärzte im viktorianischen England hätten Frauen einen gefingert, um Hysterie zu bekämpfen. Hier erfährst du mehr.

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